Das Selbst war ein Grufti Das Selbst war ein Grufti
Leben und Tod eines Frankfurter Gothics
von Stefanie Neuberg
 
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Das Selbst war ein Grufti
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Mit fast allen ausgedruckten Leserstimmen und den aktuellen Verkaufszahlen von meinem Verlag bewaffnet, konnte ich die Erben von „Silke“ davon überzeigen, dass mein Buch doch weit mehr ist als das „Aufspielen einer Wichtigtuerin“. Sie haben verstanden, dass ich „nur“ ein Denkmal für ihre Tochter setzen wollte. Viele Menschen, die „Silke“ niemals gesehen oder gesprochen hatten, hatten nun eine Verbindung zu ihr. Da die Fragen nach der realen Existenz der Buchvorlage natürlich schon immer gestellt wurden, darf ich nun viel viel mehr sagen als: Die Geschichte ist frei erfunden – ist sie eben nicht. Gaby und Peter: Danke!

Silke war meine beste Freundin. Sie war eine außergewöhnlich starke Person, die jeden mitreißen konnte. Man konnte ihr nicht entkommen. Als ihr Krebs diagnostiziert wurde, machte sie uns (ihren Freunden) Mut. Es wäre kein Todesurteil, viele Menschen hätten den Krebs besiegt – sie werde bald auch dazugehören. Danach war dies fast nie wieder Thema bei uns. Wenn wir nachfragten, wechselte Sie das Thema oder gab nichtssagende Antworten. Erst als sie uns verkündete Selbstmord begehen zu wollen, verstanden wir ihre aktuelle Situation. Sie sah alles sehr gelassen, war sich ihrer Lage bewusst und war bereits in Ihrem Entschluss gefestigt. Wir hatten verstanden! Sie war wie immer, lustig, witzig, wollte feiern gehen und das Leben genießen – kurzum: Ein Mensch, mit dem man sich gerne umgibt.
 

Was ist Realität, was Fiktion?

Ganz klar. Die wiedergegebenen Gedanken sind Fiktion. Aber sonst ist fast alles Realität:

Silke hat auf den Friedhöfen immer mit den Verstorbenen gesprochen und fand die Grabsäule von Herrn von Ellrodt besonders schön: nicht zu übertrieben, stattlich, Respekt einflößend. Sie hat auch ihre Sachen an ihre Freunde verschenkt und ist in Goldstein aufgewachsen. Auch haben wir sie auf dem beschriebenen Friedhof in Frankfurt Hausen beerdigt. Dass sie eine Schwarze war, war für Sie von großer Bedeutung und war zu recht stolz darauf. Auch haben wir mögliche Selbstmordarten durchgesprochen.

Unseren größten Respekt hat sie durch ihre Art des Ablebens verdient, auch wenn es wieder ganz Silke war. Noch am Vortag waren wir zusammen in Frankfurt schwarz unterwegs (auch wenn sie durch die Krankheit nicht mehr so „leistungsfähig“ war, wie in den letzten Jahren) und machten Pläne für das nächste Wochenende. Da wusste sie längst, dass es nicht dazu kommen wird.

Hätte der weitere Krankheitsverlauf auch nur eine Heilungschance von 10 Prozent gehabt – sie hätte gekämpft bis zum Letzten. Ihr Selbstmord war keine Kurzschlusshandlung, keine feige Flucht, es war ihre Art einen würdigen Abschluss für das definitiv Unvermeidliche zu finde.

Sie hatte es verdient!

Raben

© by Stefanie Neuberg & Markus Weimar2010 - 2013